Fantasie, Tanz und Klang
Zum Konzert
Das Programm führt von der europäischen Tastenmusik des frühen 17. Jahrhunderts bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Beginn stehen der Ballo del Granduca SwWV 319, ein Jan Pieterszoon Sweelinck zugeschriebenes Variationswerk, und die Pasacalles II des spanischen Organisten Juan Cabanilles.
Eine besondere Werkgeschichte steckt hinter der Fantasie und Fuge d-Moll: Otfried Büsing übertrug den ersten Satz von Johann Sebastian Bachs Sonate g-Moll für Violine solo BWV 1001 auf die Orgel und gestaltete das Adagio als Fantasie. Auch die anschließend erklingende Fuge BWV 539 geht auf dieselbe Violinsonate zurück: Ihr Vorbild ist deren zweiter Satz, die große Fuga. So wird Musik, die ursprünglich für eine einzige Violine geschrieben wurde, in zwei unterschiedlichen Bearbeitungen auf die Klangmöglichkeiten der Orgel übertragen.
Einen ganz anderen Ursprung haben die Flötenuhrstücke Joseph Haydns. Die unter Hob. XIX zusammengefassten Miniaturen entstanden für mechanische Musikinstrumente und lassen sich besonders reizvoll auf der Orgel darstellen. Vier Stücke daraus stehen auf dem Programm.
Mit Jehan Alain führt der Weg in die französische Orgelmusik des 20. Jahrhunderts. Seine Première Fantaisie JA 72 entstand 1933, die Deuxième Fantaisie JA 117 im Jahr 1936. Den Abschluss bildet Sigfrid Karg-Elerts zweisätzige Sonatine a-Moll op. 74 mit Allegro moderato und Andante molto – Tempo di Ciacona.
Christoph Bornheimer
Christoph Bornheimer, 1988 in Darmstadt geboren, studierte Kirchenmusik, Orgel und Musiktheorie an den Musikhochschulen in Heidelberg, Detmold und Hannover. Nach dem Kirchenmusikstudium absolvierte er an der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg den Aufbaustudiengang Künstlerische Ausbildung Orgel. Von 2013 bis 2015 studierte er anschließend im Studiengang Konzertexamen Orgel bei Martin Sander an der Hochschule für Musik Detmold. Sowohl die Künstlerische Ausbildung als auch das Konzertexamen schloss er mit Auszeichnung ab. Ergänzend besuchte er Meisterkurse unter anderem bei Zigmond Szathmáry, Hans-Ola Ericson, Martin Schmeding, Ton Koopman, Heinrich Walther und Guy Bovet.
Seit dem Sommersemester 2025 ist Bornheimer Professor für Orgelliteraturspiel und Orgelimprovisation an der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg und leitet dort die Orgelabteilung. Seit September 2025 ist er außerdem Stadtorganist der Evangelischen Kirche Heidelberg. Zuvor unterrichtete er unter anderem an der Universität der Künste Berlin, der Hochschule für Musik Würzburg und der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg und war als Lektor für Musiktheorie an der Universität Mozarteum Salzburg tätig. Als Konzertorganist und Dozent ist er in Deutschland und im europäischen Ausland zu Gast; hinzu kommen CD-Einspielungen, Veröffentlichungen und Rundfunkbeiträge für Deutschlandfunk Kultur, rbb und MDR.
Die Orgel der Lorenzkirche
Die große Weigle-Orgel der Lorenzkirche stammt aus dem Jahr 1968. Im Jahr 2020 wurde sie von der Werkstätte für Orgelbau Mühleisen umfassend überarbeitet: Neben technischen Arbeiten und einer neuen Setzer- und Koppelanlage wurde ein großer Teil des Pfeifenwerks neu intoniert und die klangliche Konzeption des Instruments weiterentwickelt. Mit 46 Registern auf drei Manualen und Pedal besitzt die Orgel ein breites Spektrum an Klangfarben und bietet damit besonders vielfältige Möglichkeiten für die unterschiedlichen Epochen und Stile dieses Programms.
Programm
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Fantasie und Fuge d-Moll
I. Fantasie – Bearbeitung von Otfried Büsing nach dem 1. Satz der Sonate für Violine solo BWV 1001
II. Fuge – BWV 539; Bearbeitung nach dem 2. Satz der Sonate für Violine solo BWV 1001
Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621)
Ballo del Granduca SwWV 319
Juan Cabanilles (1644–1712)
Pasacalles II
Joseph Haydn (1732–1809)
Aus: Flötenuhrstücke Hob. XIX:1–32
2. Andante
11. Menuett. Allegretto
13. [Allegretto]
23. [Allegro ma non troppo]
Jehan Alain (1911–1940)
Première Fantaisie JA 72
Deuxième Fantaisie JA 117
Sigfrid Karg-Elert (1877–1933)
Sonatine a-Moll op. 74
I. Allegro moderato
II. Andante molto – Tempo di Ciacona
Eintritt & Karten
Eintritt: 12 € · ermäßigt 5 €
Karten sind im Vorverkauf bei der Buchhandlung Haas und im Pfarramt sowie an der Abendkasse erhältlich.